English: Autumn equinox / Español: Equinoccio de otoño / Português: Equinócio de outono / Français: Équinoxe d'automne / Italiano: Equinozio d'autunno

Die Herbst-Tagundnachtgleiche (auch Herbsttagundnachtgleiche) ist der Zeitpunkt im Jahreslauf, an dem der Tag und die Nacht überall auf der Erde annähernd gleich lang sind. Sie markiert auf der Nordhalbkugel den astronomischen Beginn des Herbstes. Astronomisch gesehen tritt die Herbst-Tagundnachtgleiche in der Regel am 22. oder 23. September ein, wenn die Sonne den Himmelsäquator von Norden nach Süden überschreitet.

Allgemeine Beschreibung

Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist eines von zwei jährlichen Ereignissen, bei denen die Sonne genau senkrecht über dem Äquator steht. An diesem Tag sind die Tages- und Nachtlängen nahezu überall auf der Erde gleich – etwa zwölf Stunden hell und zwölf Stunden dunkel. Nach der Herbst-Tagundnachtgleiche werden auf der Nordhalbkugel die Tage kürzer und die Nächte länger, was den Übergang vom Sommer in den Herbst und Winter symbolisiert.

Der Begriff "Tagundnachtgleiche" leitet sich vom lateinischen "aequinoctium" ab, was "gleiche Nacht" bedeutet. Dieses astronomische Ereignis tritt zweimal jährlich auf – im März zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche und im September zur Herbst-Tagundnachtgleiche.

In vielen Kulturen symbolisiert die Herbst-Tagundnachtgleiche eine Zeit des Wandels, der Ernte und des Dankes für die Fülle des Sommers. Sie steht zugleich für das bevorstehende Abnehmen des Lichts und die Einkehr des Winters. Zahlreiche Traditionen und Feste haben sich um diesen Wendepunkt im Jahreskreis entwickelt.

Spezielle Bräuche und Traditionen

Die Herbst-Tagundnachtgleiche wird in verschiedenen Kulturen und Religionen auf unterschiedliche Weise gefeiert:

  • Mabon (Keltisch, Neopaganismus): Ein modernes heidnisches Fest, das oft mit der Herbst-Tagundnachtgleiche verbunden ist und für Dankbarkeit, Ernte und das Gleichgewicht zwischen Hell und Dunkel steht.
  • Chuseok (Korea): Ein großes Erntedankfest, das um die Tagundnachtgleiche gefeiert wird. Familien ehren ihre Ahnen und teilen traditionelle Speisen.
  • Shūbun no Hi (Japan): Ein staatlicher Feiertag, an dem die Menschen ihrer Ahnen gedenken und Gräber besuchen.
  • Michaelistag (Westliches Christentum): Am 29. September gefeiert, knüpft dieser Tag an die Traditionen der Herbstfeste an und markiert oft den Übergang zur dunkleren Jahreszeit.

Anwendungsbereiche

  • Astronomie: Markierung des Herbstbeginns und Teil der Jahreszeitenbestimmung im astronomischen Kalender.
  • Landwirtschaft: Traditionell eine Zeit der Ernte, der Vorratssicherung und des Dankes.
  • Kultur und Religion: Symbol für Gleichgewicht und Wandel, häufig Anlass für Rituale und Feste.
  • Bildung: Unterrichtseinheit zu Sonnenständen, Jahreszeiten und der Erdrotation in der Astronomie.

Bekannte Beispiele

  • Mabon-Feste (Europa, USA): Neopagane Feiern im Rahmen des Jahreskreises, häufig in der Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche.
  • Chichen Itzá (Mexiko): Zur Tagundnachtgleiche kann man an der Pyramide des Kukulcán das Schattenspiel einer "herabsteigenden" Schlangenfigur beobachten.
  • Shūbun no Hi (Japan): Offizieller Feiertag mit Ahnenverehrung und Besuchen auf Friedhöfen.
  • Stonehenge (England): Versammlungsort für moderne heidnische Gruppen, um den Sonnenaufgang zur Tagundnachtgleiche zu beobachten.

Risiken und Herausforderungen

  • Kulturelle Kommerzialisierung: Traditionelle Feste um die Tagundnachtgleiche verlieren zunehmend ihre ursprüngliche spirituelle Bedeutung.
  • Klimawandel: Veränderungen in den Jahreszeiten und Wetterbedingungen beeinflussen die landwirtschaftlichen Zyklen, die mit der Herbst-Tagundnachtgleiche verbunden sind.
  • Verlust von Traditionen: Viele alte Erntebräuche und Feste zur Tagundnachtgleiche sind in Vergessenheit geraten.

Ähnliche Begriffe

  • Frühjahrs-Tagundnachtgleiche: Das Pendant im März, das den astronomischen Frühling einläutet.
  • Sommersonnenwende: Längster Tag des Jahres im Juni.
  • Wintersonnenwende: Kürzester Tag des Jahres im Dezember.
  • Äquinoktium: Fachbegriff für Tagundnachtgleichen.

Zusammenfassung

Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist ein astronomisches Ereignis, das den Beginn des Herbstes markiert und das Gleichgewicht von Tag und Nacht symbolisiert. Sie wurde und wird in vielen Kulturen als Zeit der Ernte, des Dankes und des Wandels gefeiert. Heute spielt sie sowohl in astronomischen als auch kulturellen Kontexten eine bedeutende Rolle.

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